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Erfahrungen und Beispiele

Erfahrungen und Beispiele kommunaler Prävention mit Triple P

Sie möchten wissen, wo und wie sich Triple P bereits als kommunale Präventionsstrategie bewährt hat? Im Folgenden führen wir einige Beispiele auf:

Amsterdam (Niederlande)

In Amsterdam wurde von der Stadt und der holländischen Regierung ein Projekt zur populationsbezogenen Implementation von Triple P finanziert. Seit dem Start im Jahr 2006 sind etwa 900 Fachkräfte, hauptsächliche Erziehungsberater, Gesundheitsschwestern und Sozialpädagogen, in Triple P fortgebildet worden. In Verbindung mit der Implementation von Triple P wurde zusätzlich die Medienkampagne "Stay Positive" entwickelt und durchgeführt. Diese hat zum Ziel, dass die Eltern erfahren, wo und wie sie adäquate Unterstützung zu Entwicklungs- und Erziehungsfragen bekommen können, und gleichzeitig Angst oder Scham vor der Inanspruchnahme solcher Angebote abzubauen. So wurde der Grundgedanke einer positiven Erziehung über Fernsehspots, Zeitungsanzeigen und Plakate an Haltestellen und Litfasssäulen sowie einer Triple P-Zeitung ("Tipkrant") bekannt gemacht. Das "Tipkrant" berichtet zum Beispiel von Eltern aus der Nachbarschaft, die an Triple P teilgenommen haben. So werden andere Eltern ermutigt, ebenfalls Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Zentrales Element von "Stay Positive" ist die Internetseite, auf der sich die Eltern über verschiedene Angebote informieren können.


Ergebnisse legen dar, dass befragte Eltern die Kampagne als glaubwürdig und persönlich relevant empfanden und sich ihre Einstellung gegenüber der Inanspruchnahme von Hilfe bei der Kindererziehung ins Positive veränderte. Diese Ansicht spiegelte sich auch in der erhöhten Bereitschaft zur Teilnahme an Triple P- Angeboten wider.


Unterschiedliche Interventionen, wie zum Beispiel Informationsbroschüren, Einzelberatung in spezifischen Erziehungsfragen oder aktives Training im Elternkurs, erreichen pro Jahr etwa 7.000 - 10.000 Familien mit Kindern zwischen 0 und 16 Jahren, was etwa 10% der in Amsterdam lebenden Familien entspricht. So konnten in den letzten sieben Jahren rund 60.000 Amsterdamer Familien erreicht werden. Vor allem die Elternkurse zeichnen sich oft durch die kulturelle Vielfalt der teilnehmenden Familien aus.

Antwerpen (Belgien)

Ende 2007 startete in Antwerpen ein Projekt zur Implementation von Triple P, um die Auftretenshäufigkeit emotionaler und verhaltensbezogener Probleme bei Kindern zu reduzieren. Mittlerweile sind 454 Fachkräfte aus unterschiedlichen Berufsgruppen in den verschiedenen Ebenen von Triple P fortgebildet worden. Diese konnten bereits über 30.000 Familien mit den Angeboten von Triple P in Erziehungsfragen unterstützen. Die begleitende Forschung zum Projekt endete 2011, die Umsetzung sowie Fortbildung der Fachleute bleibt weiterhin bestehen.

Brisbane (Australien)

Psychische Störungen stellen auch in Australien ein ernstes Problem dar. Um emotionale Störungen und Verhaltensstörungen bei Kindern sowie Depressionen und Stress bei Eltern im Großraum Brisbane seltener werden zu lassen, wurde das Projekt „Every Family" ins Leben gerufen. Da die Zeit vom Übergang des Kindes in die Grundschule für alle Familienmitglieder oft eine besondere Herausforderung darstellt, lag der Hauptaugenmerk bei diesem Projekt auf Familien mit Kindern zwischen vier und sieben Jahren, um sie bei diesem Prozess zu begleiten.


Im Zeitraum von 2002 bis 2006 wurden insgesamt 375 Fachkräfte aus dem Gesundheits-, Bildungs- sowie sozialen Sektor in Triple P fortgebildet und anschließend professionell begleitet, zum Beispiel in Form von Newslettern, Workshops oder Telefonkontakten. Sie ermöglichten allen Familien mit Kindern zwischen vier und sieben Jahren im Großraum von Brisbane die Teilnahme an Triple P-Angeboten unterschiedlicher Intensität (medienbasierte Informationen, Vorträge, Kurzberatungen, Elternkurse oder Einzeltrainings). Alle Eltern entschieden selbst, ob und wenn ja, an welchem Unterstützungsangebot sie teilnehmen wollten.


Die gefundenen positiven Effekte der Implementation von Triple P sind vor allem deswegen interessant, weil sie in der Gesamtbevölkerung von Brisbane festgestellt wurden und nicht nur bei einzelnen Familien. Im Vergleich zu einer Kontrollregion, die ebenso beobachtet wurde, konnten in Brisbane signifikante Verringerungen von psychischen Auffälligkeiten bei Kindern, Depressionen bei Eltern und ungünstigen Erziehungsstilen festgestellt werden. Das Mehrebenensystem von Triple P ist also eine wirkungsvolle kommunale Präventionsstrategie, um diversen Problemen auf der Bevölkerungsebene zu begegnen.

Glasgow (Schottland)

Kompetent, selbstbewusst und gut unterstützt - so sollen sich Eltern in der Kindererziehung fühlen. Um dieses Ziel der schottischen Regierung zu erreichen, wurde Triple P für ein Projekt in Glasgow ausgewählt. In dieser als "kranker Mann Europas" bekannten Stadt soll mit Hilfe der Implementation des positiven Erziehungsprogramms eine ganzheitliche und nahtlose Unterstützung von Eltern sichergestellt werden. Rund 1.000 Fachkräfte wurden fortgebildet, um mit Triple P-Vorträgen, Gruppenangeboten oder Einzelkontakten Eltern in Erziehungsfragen zu informieren und beraten. Von den 57.000 Familien, die in Glasgow leben, wurden bis Februar 2013 bereits 21.000 erreicht. Um möglichst allen Familien die Teilnahme zu ermöglichen, finden die Triple P-Angebote an vielen, sehr unterschiedlichen Orten statt: In Büchereien, Schulen, aber auch in Gefängnissen, Flüchtlings- oder Suchtberatungsstellen. So finden auch viele sozial benachteiligte Familien, die oftmals als "schwer erreichbar" bezeichnet werden, ihren Weg zur Unterstützung. Die Medienkampagne "Stay Positive" begleitet die Umsetzung von Triple P mit Hilfe von Postern, Zeitungen oder kurzen Fernsehspots und macht Eltern auf die Angebote aufmerksam.
Das Projekt in Glasgow stellt ein exzellentes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Gesundheit und Bildung/Erziehung dar.        

Izmir (Türkei)

Im Mai 2012 hat das Projekt „Children in Balcova will grow happier" in Izmir begonnen. Um das Bewusstsein und die Fertigkeiten von Eltern für eine liebevolle und positive Erziehung zu stärken, werden allen Eltern im Stadtbezirk Balcova das Triple P- Elterngespräch, die Triple P-Vortragsreihe (beides Ebene 2) und das Triple P-Gruppentraining (Ebene 4) angeboten. Da psychologische Beratungsstellen in der Stadt nur begrenzt vorhanden sind und darüber hinaus die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Stellen sowie der Transfer von Unterstützungsangeboten in größeren Kommunen oft mangelhaft ist, unternimmt das Projekt den Versuch einer populationsbezogenen Implementation. Ziel ist es allen 8000 Eltern mit Kindern zwischen null und achtzehn Jahren in Balcova die Teilnahme an einem der Triple P-Angebote zu ermöglichen. Dazu wurden zu Beginn des Projekts rund 22 Fachleute aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie in dem Programm fortgebildet. Zusätzlich kam die Medienkampagne „Stay Positive" zum Einsatz, die via Fernsehspots, Vorträgen, Konferenzen und Plakaten über positive Erziehung und das Projekt informierte und gleichzeitig zu einer Teilnahme ermutigte. Die Implementation wird  zur Überprüfung der Wirksamkeit wissenschaftlich begleitet.      

Midlands (Irland)

Angesichts eines regionalen Bedarfs an elterlicher Unterstützung wurde 2010 mit der populationsbezogenen Implementation von Triple P in den irischen Midlands begonnen. Seitdem können dort Familien mit Kindern zwischen drei und sieben Jahren Triple P-Angebote verschiedener Intensität in Anspruch nehmen.


Die Studie in Irland demonstriert anschaulich, wie wichtig es ist, dass Erziehungsprogramme wie Triple P als etwas Normales und Erstrebenswertes angesehen werden. Untersuchungen in den irischen Midlands haben ergeben, dass Eltern, die ein Triple P-Angebot genutzt hatten, mit Freunden und Nachbarn über ihre Erfahrungen sprachen und Erziehungstipps austauschten. Demzufolge ist das irische Projekt ein hervorragendes Beispiel für die soziale Dynamik von positiver Erziehung. Durch die Implementation von Triple P wurde Erziehung zu einem regen öffentlichen Gesprächsthema in der Region. Eine solche Entwicklung kann langanhaltende Veränderungen bewirken.


Beindruckend sind auch die Ergebnisse bezüglich der Effektivität von Triple P zur Reduktion von psychischen Problemen von Kindern in der Bevölkerung. Im Rahmen des Projektes wurden in den Bezirken Westmeath und Longford, in denen Triple P zugänglich gemacht wurde, Daten erhoben und mit denen eines größeren irischen Bezirkes verglichen, in denen Triple P nicht angeboten wird. Die Ergebnisse zeigen, dass die Gesamtzahl von Kindern mit schwerwiegenden emotionalen und Verhaltensproblemen in Westmeath und Longford um ganze 35 Prozent gesenkt wurde. Im Vergleichsbezirk nahm die Anzahl emotionaler und Verhaltensprobleme im selben Zeitraum sogar um 22 Prozent zu!


Der Auswertung von ca. 3.000 Interviews zufolge konnten in den Triple P-Bezirken nicht nur emotionale und Verhaltensauffälligkeiten der Kinder vergleichsweise stark reduziert werden, auch bei den Eltern zeigten sich gegenüber dem Kontrollbezirk positive Effekte. Eltern aus den Bezirken, in denen Triple angeboten wird, nutzten mehr angemessene Erziehungsfertigkeiten, waren psychisch weniger belastet und bewerteten Erziehung eher als eine positive Erfahrung. Außerdem berichteten sie häufiger über eine gute Beziehung zu ihren Kindern und eine stärkere Übereinstimmung mit ihrem Partner bei der Kindererziehung.


Einen schönen Überblick über das Erreichte vermittelt auch der Projektbericht.       

Paderborn (Deutschland)

Im Rahmen des Modellprojektes "FAMOS - Familien optimal stärken" konnten mit Unterstützung des Familienministeriums NRW 182 Fachkräfte aus den Bereichen Bildung und Erziehung, Kinder- und Jugendhilfe sowie Gesundheit in den evidenzbasierten Präventionsprogrammen PEP, EFFEKT und Triple P fortgebildet werden. Seit 2010 bieten diese nun kostenfreie Unterstützung in Form von Kursen, Vorträgen und Beratung für Paderborner Familien an. Neben einer stadtweiten Informationskampagne und der Einrichtung einer eigenen Internetseite spielt auch die institutions- und sektorenübergreifende Vernetzung zwischen den Fachleuten eine wichtige Rolle. Die Universität Bielefeld evaluiert das Projekt und wertet dabei auch objektive Parameter wie stadtweite Fälle von "Hilfen zur Erziehung", Delinquenz und psychische Gesundheit aus. Auf der Projektseite und im Projektbericht  erfahren Sie mehr über FAMOS.     

South Carolina (USA)

Kindesmisshandlung und Vernachlässigung stellen auch in den USA ein signifikantes Problem mit weitreichenden Folgen dar. Schätzungen zufolge sind im Jahre 2005 etwa 899.000 Kinder Missbrauch und Verwahrlosung zum Opfer gefallen. Folge dessen sind u.a. enorme Kosten, die für die Gesellschaft entstehen (Heimplätze, Kinderschutzorganisationen usw.).

Vor diesem Hintergrund wurde in South Carolina ein bisher einzigartiges Projekt zur Prävention von Kindesmisshandlung durchgeführt. Die Idee war, eine populationsbezogene Intervention anzubieten, die einen möglichst großen Teil der Familien in der Bevölkerung erreicht. Dazu wurden in 9 zufällig ausgewählten Regionen insgesamt 650 Fachkräfte in Triple P fortgebildet. Diese stellten anschließend verschiedene Angebote für Eltern bereit, wie zum Beispiel Broschüren mit allgemeinen Informationen zu Entwicklung und Erziehung, kurze Beratungsgespräche im Einzelkontakt, Unterstützung bei der Bewältigung einzelner konkreter Erziehungsschwierigkeiten oder intensives Elterntraining mit aktivem Einüben von Erziehungsfertigkeiten. Sowohl in diesen "Triple P-Regionen" als auch in 9 vergleichbaren Kontrollregionen, in denen keine Triple P-Angebote eingeführt wurden, wurden vor und nach der Implementation objektive Daten erhoben, um die Wirksamkeit von Triple P als kommunale Präventionsstrategie zu überprüfen. Zu diesen Indikatoren gehörten die Zahlen registrierter Kindesmisshandlungen und in Obhut genommener Kinder sowie Klinikaufenthalte, die in Folge von Verletzungen aufgrund Misshandlung zustande kamen. Die Auswertung zeigte, dass nach einer Laufzeit von 2 Jahren zwischen 9.000 - 13.600 Familien mit den verschiedenen Angeboten erreicht wurden. Zugleich konnten positive Effekte in den drei genannten Indikatoren beobachtet werden: In den Triple P-Regionen gab es nach der Umsetzung von Triple P signifikant weniger Fälle von Kindesmisshandlung, Inobhutnahmen und Klinikaufenthalten auf Grund von Misshandlung als in den Kontrollregionen.


Dieses Projekt ist wohl das erste seiner Art, das die Wirksamkeit eines evidenzbasierten Erziehungsprogramms als Präventionsstrategie auf Bevölkerungsebene wissenschaftlich nachweist.
Die "New York Times" hat ausführlich über das Projekt berichtet.

 

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